Samenfestes Saatgut, oder Hybridsaatgut? Vor- und Nachteile

Wenn man im Baumarkt oder im Supermarkt an dem Regal mit dem Saatgut entlang schlendert und auf die Sorten guckt, fällt einem eventuell auf, dass hinter manchen Namen F1 steht. Tomaten wie die “Ochsenherz Borsalina F1”, oder die “Gurke Picolino F1” sind sehr beliebt. Dies sind sogenannte Hybridsorten. Davon wirst du auf hier im Shop keine finden. Worin der Unterschied besteht und warum ich lieber samenfeste Sorten empfehle verrate ich dir gerne.

Wie entsteht samenfestes Saatgut?

Die Gemüsesorten, die wir kennen, kommen alle in der Natur so nicht vor. Durch das Eingreifen des Menschen (Kultivierung und Züchtung) ist zum Beispiel aus ein und demselben Wildkohl der Grünkohl und auch der Rosenkohl entstanden.

Um eine neue Sorte zu entwickeln, werden über Generationen immer wieder die Pflanzen ausgesucht, die dem gewünschten Ergebnis entsprechen. Wird dies lange genug wiederholt, werden die Sorten immer stabiler. Dies dauert natürlich viele Jahre und bedarf einiges an Planung. Wenn die gewünschten Eigenschaften, wie beispielsweise Aussehen und Geschmack, konstant weiter vererbt werden, ist samenfestes Saatgut.

Damit keine Inzucht entsteht, werden immer von mehren Pflanzen Samen gemischt. Als Ergebnis werden die Sorten gleichmäßiger, es bleibt aber die Vielfalt in der Genetik erhalten und das ist in der Natur sehr wichtig! Die Pflanzen bleiben anpassungsfähig! Innerhalb einer Sorte gibt es immer ein paar, die am jeweiligen Standort besser gedeihen, weil sie zum Beispiel mit Trockenheit oder Fressfeinden vor Ort besser zurechtkommen.

Die Züchtung von Hybridsaatgut

Kreuzen sich unterschiedliche Sorten, nennt man die daraus entstandene Generation Hybride. Hybrid bedeutet etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Vermischtes. Es leitet sich von dem griechischem Wort “hýbris” (Übermut oder Anmaßung) ab und hat über das Lateinische (hybridaBastard, Mischling oder Frevelkind) den Weg u. a. in die englische und deutsche Sprache gefunden.

Eine F1-Hybridsorte ist die erste Generation Nachkommen deutlich unterschiedlicher Elterntypen. Passiert dies in der Natur spricht man von einer wilden Mischung. In der Hybridzüchtung versucht man die Eigenschaften der Elterngeneration gezielt zu verbinden, ohne das dabei zufällige Mischungen entstehen. Man nennt dies den Heterosiseffekt.

Eine F1-Hybride wird vereinfacht dargestellt so gezüchtet, dass zwei ursprüngliche Sorten, die man Elterngenerationen nennt, immer wieder mit sich selbst befruchtet werden. So entstehen immer homogener Inzuchtlinien beider Elternpaare. Diese werden dann gekreuzt. Dabei wird die genetische Vielfalt für die der Homogenität aufgegeben. Das Ziel ist es, ein genetisch fast identisches Saatgut zu erhalten, mit z.B. der Resistenz der einen Sorte und dem Wuchs der anderen. Dies ist technisch sehr aufwendig und braucht viel Zeit.

Hybridsorten sind Einwegpflanzen

Durch die Hybridzüchtung werden Sorten möglich, die über klassisches Kreuzen nicht zu erreichen sind. Sie sind besonders interessant für den kommerziellen Anbau. Gezielt kombinierbare Resistenzen, gleichmäßiger Wuchs und Reife planbare Ernten und hohe Erträge. Die Sache hat aber einen Haken. Da sich die einzelnen Pflanzen genetisch so ähnlich sind, reagieren sie auch bei Problem gleich. Leidet eine leiden alle.

Der größte Nachteil von Hybridsaatgut und ein Grund für samenfestes Saatgut ist, dass man immer neues Saatgut kaufen muss. Der Heterosiseffekt hält nur genau eine Generation. Will man von F1 Hybriden Saatgut gewinnen, wird man feststellen, dass in der 2. Generation (F2) sich die Eigenschaften komplett aufspalten. Das Saatgut, welches daraus entsteht, ist wie eine Wundertüte, denn man weiß nie, was drin steckt. Alle Eigenschaften der Elternpaare können auftauchen.

Da sich das Saatgut nicht selber vermehren lässt, werden die Landwirte abhängig von den Saatgut-Firmen, deren hohe Investitionskosten sich langfristig gut rentieren. Mittlerweile nehmen 4 große Saatgutkonzerne über 80 % der Saatgutversorgung auf der Welt ein. Dafür sind viele Dinge verantwortlich, auch Hybridsaatgut trägt einen Teil bei.

Gründe für samenfestes Saatgut

samenfestes Saatgut oder Hybridsorten

Ihr könnt von euren eigenen Pflanzen Saatgut nehmen und dieses im nächsten Jahr wiederverwenden. Dabei trägt eine einzelne Frucht oft so viel Saatgut, dass ihr es sogar mit euren Freunden und Nachbarn teilen könnt.

Ihr tragt zur Erhaltung von Sorten bei, die es unter Umständen irgendwann nicht mehr geben könnte. Viele alte Sorten sind längst nicht nur vom Markt, sondern von unserem Planeten verschwunden, da sie in der kommerziellen Landwirtschaft nicht genutzt und durch Hybriden ersetzt wurden. Diese Vielfalt ist gerade im Garten und im Hobbybereich wichtig.

Es gibt eine Fülle an alten und neuen Sorten, für jeden Geschmack und Standort.

Nicht jede Pflanze und Frucht wächst so gleichmäßig wie bei den F1 Hybriden und auch der maximale Ertrag ist eventuell niedriger, in der Praxis sieht das aber anders aus. Es herrschen nicht die perfekt gleichmäßigen Bedingungen überall. Bei einem Problem sind bei dem Hybridsaatgut meist alle Pflanzen betroffen. Bei stabil gezüchteten Sorten schützt die noch vorhandene genetische Vielfalt vor Totalausfällen.

Samenfestes Saatgut passt sich mit der Zeit ganz automatisch an euren Garten an. Es sind immer Pflanzen dabei, die die besonders gut an einem Standort gedeihen. Sammelt ihr nun das Saatgut der “besten” Pflanzen und Früchte, züchtet ihr Pflanzen, die Jahr für Jahr immer besser an euer Klima, euren Boden und eure Vorlieben angepasst sind.

Ich möchte Hybridssaatgut nicht verteufeln. Es ist heute vom Konsumenten so gewollt, bzw. finanziell oft nicht anders umsetzbar. Es gibt auch durchaus spannende F1 Sorten, die es einfach nicht als samenfestes Saatgut gibt. Sicherlich ist es kein Problem, auch F1-Sorten anzubauen. Alleine der eigene Anbau von Gemüse ist ein großer Schritt in Richtung Natur. Solltest du jedoch Interesse an eigenem Saatgut haben, möchtest selbst züchterisch tätig werden oder einfach nur von dem tollen Geschmack und der großen Vielfalt an Sorten profitieren wollen, dann ist auch für dich samenfestes Saatgut eine gute Wahl.

https://www.youtube.com/watch?v=Zj3EDkQoPMM
WDR Doku – Kampf ums Saatgut

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